Schimmel ist eine der häufigsten Folgen eines nicht vollständig getrockneten Wasserschadens. Die gute Nachricht: Wer die Ursache schnell beseitigt und durchfeuchtete Bauteile gezielt trocknen lässt, kann ihn in vielen Fällen verhindern. Ist er bereits entstanden, braucht es eine fachgerechte Schimmelsanierung statt eines Anstrichs.

Gesundheit geht vor: Menschen mit Allergien, Atemwegserkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten sich nicht in stark befallenen Räumen aufhalten und keinen Schimmel selbst entfernen. Bei Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt.

Warum nach einem Wasserschaden Schimmel entsteht

Schimmelpilzsporen sind in der Raumluft praktisch immer vorhanden. Zum Wachstum brauchen sie vor allem Feuchtigkeit und ein geeignetes Material wie Tapete, Gipskarton, Holz oder Staub auf Oberflächen. Nach einem Wasserschaden ist beides reichlich vorhanden.

Problematisch ist weniger das sichtbare Wasser als die Feuchtigkeit, die in Bauteile eingedrungen ist. Lüften und Heizen reichen dann oft nicht aus: Estrich, Mauerwerk und Dämmschichten geben Wasser nur langsam ab. Wie lange eine fachgerechte Trocknung dauern kann, erklärt unser Beitrag zur Trocknungsdauer nach einem Wasserschaden.

Woran Sie Schimmel nach einem Wasserschaden erkennen

Nicht jeder Befall ist sichtbar. Achten Sie in den Wochen nach einem Wasserschaden besonders auf diese Anzeichen:

Muffiger Geruch in einem Raum oder hinter Möbeln
Dunkle Flecken oder Verfärbungen an Wand, Decke oder Silikonfugen
Sich lösende Tapeten, blätternde Farbe oder aufquellende Beläge
Feuchte Stellen, die nach Tagen nicht verschwinden
Verfärbungen an Sockelleisten oder am Übergang von Boden und Wand

Wo sich Feuchtigkeit und Schimmel verstecken

Dämmschicht unter dem Estrich

Bei einem Leitungswasserschaden läuft Wasser häufig in die Trittschalldämmung unter dem Estrich. Von oben ist davon oft wenig zu sehen, die Feuchtigkeit bleibt aber lange im Bauteil.

Hinter Vorwandinstallationen und Verkleidungen

Trockenbauwände, Vorsatzschalen und Badverkleidungen haben Hohlräume, in denen Feuchtigkeit schlecht abtrocknet.

Hinter Möbeln und Einbauschränken

An verdeckten Wandflächen fehlt die Luftbewegung. Durchfeuchtete Wände trocknen dort besonders langsam.

Ob solche Bereiche noch feucht sind, lässt sich nur durch Messen feststellen. Eine technische Trocknung mit Estrich- oder Dämmschichttrocknung und dokumentierten Kontrollmessungen schafft hier Sicherheit.

Schimmel selbst entfernen oder Fachbetrieb beauftragen?

Das Umweltbundesamt hält es für vertretbar, kleinere Befälle von weniger als etwa 0,5 m² selbst zu entfernen, wenn der Schimmel nur oberflächlich sitzt, die Feuchteursache beseitigt ist und keine gesundheitlichen Risiken bestehen. Dabei sollten Handschuhe, Atemschutz und Schutzbrille getragen und Staub vermieden werden.

Ein Fachbetrieb sollte hinzugezogen werden, wenn:

  • die befallene Fläche größer ist oder an mehreren Stellen auftritt
  • Schimmel in Dämmung, Estrich oder Hohlräumen vermutet wird
  • die Ursache unklar ist oder der Befall wiederkommt
  • der Schaden über eine Versicherung reguliert werden soll
Schimmelsprays und Desinfektionsmittel beseitigen nicht die Ursache. Das Umweltbundesamt rät vom großflächigen Einsatz biozider Mittel ab.

So gehen Sie nach einem Wasserschaden richtig vor

Schimmel lässt sich am wirksamsten vermeiden, wenn nach einem Wasserschaden in einer klaren Reihenfolge gehandelt wird. Die ersten Schritte beschreibt unser Ratgeber Wasserschaden – was tun?

  1. 1

    Ursache stoppen und Leckage orten lassen

  2. 2

    Stehendes Wasser entfernen und Schaden dokumentieren

  3. 3

    Feuchte in Wand, Estrich und Dämmschicht messen lassen

  4. 4

    Durchfeuchtete Bauteile technisch trocknen

  5. 5

    Befallene, nicht erhaltbare Materialien kontrolliert ausbauen

  6. 6

    Oberflächen fachgerecht reinigen und Erfolg kontrollieren

  7. 7

    Erst nach bestätigter Trocknung wiederherstellen

Welche Kosten die Beseitigung eines bereits entstandenen Befalls verursacht, erklärt unser Beitrag zu den Kosten einer Schimmelsanierung. Hinweise zur Regulierung finden Sie im Ratgeber Wasserschaden und Versicherung.

Häufige Fragen zu Schimmel nach Wasserschaden

Wie schnell entsteht Schimmel nach einem Wasserschaden?

Das hängt von Feuchtemenge, Material, Temperatur und Luftbewegung ab. Schimmel kann sich bereits wenige Tage nach einem Wasserschaden bilden. Deshalb sollten durchfeuchtete Materialien möglichst schnell getrocknet werden.

Darf ich Schimmel selbst entfernen?

Das Umweltbundesamt hält es für vertretbar, kleinere, nur oberflächliche Befälle von weniger als etwa 0,5 m² selbst zu entfernen – mit Handschuhen, Atemschutz und Schutzbrille und nur, wenn die Ursache beseitigt ist. Menschen mit Allergien, Atemwegserkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten das nicht tun.

Reicht ein Schimmelspray oder Desinfektionsmittel?

Nein. Laut Umweltbundesamt ist der großflächige Einsatz biozider Mittel zu vermeiden. Entscheidend ist, die Feuchtequelle zu beseitigen, Bauteile zu trocknen und befallenes Material zu entfernen. Ein Anstrich über Schimmel löst das Problem nicht.

Muss nach einem Wasserschaden immer der Estrich raus?

Nein. Ob Estrich und Dämmschicht getrocknet werden können oder ausgebaut werden müssen, hängt unter anderem von Aufbau, Durchfeuchtung, Dauer und einer möglichen Belastung ab. Das lässt sich nur nach Messung und Begutachtung beurteilen.

Zahlt die Versicherung die Schimmelbeseitigung nach einem Wasserschaden?

Ist der Schimmel die Folge eines versicherten Leitungswasserschadens, kann seine Beseitigung Teil der Regulierung sein. Schimmel durch Kondensation oder Lüftungsverhalten ist dagegen meist nicht versichert. Maßgeblich sind der konkrete Vertrag und die Ursache.

Passende Leistungen

Feuchte trocknen, Schimmel sanieren

Von der Leckageortung über die technische Trocknung bis zur Schimmelsanierung und Wiederherstellung.

Quellen und weiterführende Hinweise

Grundlage sind der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamts sowie die häufigen Fragen bei Schimmelbefall des Umweltbundesamts.